Kompetent im Netz – Umgang mit Tiktok-Challenges, hier Paracetamol-Challenge
Was ist die Paracetamol-Challenge, welche Gefahren birgt sie, wo kommt sie her? Nur gemeinsam können Schule und Eltern dafür Sorge tragen, dass die Kinder und Jugendlichen selbstbestimmt und kritisch mit digitalen Medien umgehen, die Möglichkeiten des Internets konstruktiv nutzen und dabei vor Gefahren geschützt werden.
Was ist die Paracetamol-Challenge?
Die Paracetamol-Challenge fordert dazu auf, große Mengen des Schmerzmittels Paracetamol zu sich zu nehmen. Es geht also darum, eine möglichst hohe Anzahl von Tabletten einzunehmen und dies unbeschadet zu überstehen.
Was sind die Gefahren?
Paracetamol ist ein gängiges und in Apotheken frei verkäufliches Schmerzmittel und als solches in den vom Hersteller empfohlenen Mengen ungefährlich. Nimmt man große Mengen des Medikaments ein, kann das allerdings verheerende Nebenwirkungen haben: Zu erwarten sind Symptome wie Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen bis hin zu der langfristigen Schädigung von Organen wie den Nieren und der Leber. Schlimmstenfalls kann eine Überdosis auch tödlich enden.
Die Gefahr dahinter wird außerdem dadurch verschärft, dass die Symptome in der Regel nicht sofort auftreten. Es dauert ein bis zwei Tage, bis die Schädigung der Organe bemerkbar wird. Zu diesem Zeitpunkt ist es jedoch häufig bereits zu spät: Nieren und Leber können irreparable Schäden davongetragen haben und eine Organtransplantation notwendig machen.
Wann kam die Challenge auf? Wo kommt sie her?
Laut dem Verband Pharma Deutschland stammt der Trend ursprünglich aus den USA. Nun verbreite er sich aber auch in Belgien und der Schweiz. Wann genau die Challenge das erste Mal aufkam, ist nicht eindeutig, sie gilt jedoch als relativ neu.
Zuerst davor gewarnt hat der Verband Pharma Deutschland in einer Pressemitteilung. TikTok selbst gibt jedoch an, keine Beweise oder Anzeichen einer solchen Challenge gefunden zu haben.
Was können Lehrkräfte tun?
Mit schwierigen Themen rund um digitale Medien offen umzugehen, kann für viele Lehrkräfte eine Herausforderung sein. Folgendes können sie tun, wenn es um das Thema Internet-Challenges geht:
- Altersgerechte Aufklärung: Lehrkräfte können im Rahmen ihres Unterrichts oder auch speziellen Stunden zur Medienbildung über das Phänomen Internet-Challenges aufklären. So können sie das Bewusstsein stärken, dass nicht hinter jeder Challenge ein harmloser Spaß steckt. Passendes Unterrichtsmaterial bietet beispielsweise klicksafe, Checklisten zum Einschätzen von Online-Challenges findet man bei Kindersache oder auch bei logo!.
- Im Gespräch bleiben: Es kann sinnvoll sein, sich bei Schülerinnen und Schülern oder auch generell Jugendlichen und jungen Menschen regelmäßig zu erkundigen, was gerade online trendet und ob derzeit bestimmte Challenges im Umlauf sind. Im Schulkontext können insbesondere Medienscouts oder auch Klassensprechende geeignete Ansprechpersonen sein.
- Neugier ernstnehmen: Es ist ganz normal, dass Jugendliche Interesse an Challenges haben. Zudem ist nicht jede Internet-Challenge zwangsweise gefährlich. Deswegen kann es für einen produktiven Dialog über Challenges und deren potenzielle Risiken sinnvoll sein, Verständnis für den Wunsch zu zeigen, an ihnen teilzunehmen. Pauschale Verbote oder eine starke Verurteilung sind hierbei nicht zielführend.
- Sich gemeinsam eine Challenge überlegen: Möchten Jugendliche an einer Challenge teilnehmen, kann es auch Spaß machen, sich im Rahmen des Unterrichts gemeinsam eine harmlose oder vielleicht sogar gemeinnützige Herausforderung zu überlegen, die in der Schule verbreitet werden kann.
- Eltern miteinbeziehen: Es ist wichtig, Medienerziehung und Aufklärung im Schulalltag fest zu integrieren. Aber auch das Elternhaus spielt hierbei eine große Rolle. Die Eltern über das Phänomen Internet-Challenges aufzuklären und bei diesen das Bewusstsein zu fördern, was ihre Kinder online sehen und tun können, ist somit ebenfalls eine wichtige Aufgabe. Dabei kann den Eltern auch mit an die Hand gegeben werden, wie sie das Thema zu Hause aufgreifen können. Bildungseinrichtungen in NRW können dabei zum Beispiel bei der Initiative Eltern und Medien Unterstützung finden, die 1x pro Jahr kostenlos einen medienpädagogischen Elternabend für die eigene Einrichtung ermöglicht.
- Im konkreten Fall einschreiten: Beobachten Lehrkräfte Schüler dabei, eine Challenge nachzumachen, die möglicherweise gefährlich sein kann, sollte schnellstmöglich eingegriffen und die Situation beendet werden. Kommt es zu Verletzungen oder zu einer akuten Gefährdung von Kindern oder Jugendlichen, sollte der Rettungsdienst verständigt werden.
Bei Fragen zum Thema Challenges und digitalen Medien allgemein können Lehrkräfte sich an die Frage-Antwort-Plattform ZEBRA wenden: https://www.fragzebra.de/
Auch auf Social Media klärt ZEBRA regelmäßig über aktuelle Internet-Phänomene auf und gibt Tipps für den Umgang mit digitalen Medien:
- Instagram: https://www.instagram.com/fragzebra/
- TikTok: https://www.tiktok.com/@fragzebra